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Brachyzephalensyndrom

 

Einleitung:

Brachyzephalie bedeutet, dass der Gesichtsschädel verkürzt ist. Diese stark verkürze Schädelform findet man in hochgradiger Ausprägung beim Mops, bei der Englischen und Französichen Bulldogge, beim Pekinesen und beim ShiTzu. Tiere mit stark verkürzter Schädelform haben eine extrem kurze Nase und ein verkürztes Unterkiefer, womit sich zahlreiche gesundheitliche Probleme ergeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                           normale Schädelform                             brachyzephale Schädelform

 

Wie erkenne ich ein Brachyzephalensyndrom?

Durch die flachgedrückte und verkürzte Gesichtsform, ist die Augehöhle sehr flach und die Augen selbst stehen verhältnismäßig weit über die knöcherne Begrenzung der Augenhöhle hervor. Dadurch wird einerseits die Lidgrösse, aber auch die Lidstellung beeinträchtigt. Die Tiere haben eine zu grosse Lidspalte (Makroblepharon) und die Augen sind sehr exponiert (Lagophthalmus); die Lider sind v.a. im Bereich des inneren Lidwinkels eingerollt (mediales Entropium) und die Haare des eingerollten Lides  reiben auf der Hornhaut;  Da die Nase sehr kurz ist, bildet sich die typische Nasenfalten aus, die in extremen Fällen mit der Hornhaut Kontakt hat und dort zu einer Reizung führt (Nasenfaltentrichiasis).

Vererbung eines Brachyzephalensyndrom?

Durch gezielte Zuchtselektion auf eine immer kürzere Nase und verkürzte Schädelform, hat sich die Rasse im Laufe von 100 Jahren zum Nachteil der Gesundheit dieser Hunde entwickelt.

 

Mops um 1915Mops um 1915

Mops heuteMops heute

 

 

 

 

 

 

   

 

              Mops um 1915                                           Mops heute

   (Bildquelle: Brehms Tierleben) 

 

Was sind mögliche Folgen für das Auge?

In den meisten Fällen kommt es bereits schon in jungen Jahren zu einer chronischen Reizung der Hornhaut mit der Folge, dass die Hornhaut eine Gefässeinsprossung, Vernarbung und eine zunehmende Pigmentierung aufzeigt (Keratitis pigmentosa). Dies kann die gesamte Hornhaut betreffen und zu einer Sehbeeinträchtigung bis hin zur Erblindung führen. Weitere häufige Folgen sind (teils akute) Hornhautgeschwüre und - aufgrund der flachen Augenhöhle - die Gefahr des Bulbusprolaps (Luxation des Auges aus der Augenhöhle).

 

 

 

 

 Mops mit Keratitis pigmentosa

 (Pigmentierung der Hornhaut )

 und nasalem Entropium

 

 

 

 

 

Weitere schwere gesundheitliche Probleme durch das Brachyzephalensyndrom!

Neben den Augenproblemen leiden die Tiere unter Atemnot und Überhitzung. Die Gründe hierfür sind folgend:

Aufgrund der stark verkürzten Schädelform ist das weiche Gaumensegel relativ zu lange und behindert bei jeder Einatmung die normale Luftströmung in die Luftröhre; das selbe gilt auch für die Nasenmuscheln, welche stark verengt, verkürzt und verkrümmt sind; hinzu kommt, dass die Nasenlöcher nicht rund sondern schmale Schlitze bilden... all dies führt zur Behinderung des Luftstromes der eingeatmeten Luft bei jedem Atemzug.

Die Folge dieser ständigen Luftturbulenzen sind eine reaktive Schwellung (Hyperplasie) der Schleimhäute sowohl in der Nase als auch im Kehlkopf.

Die Regultation des Wärmehaushaltes, bzw. die Abkühlung geschieht bei Hunden nicht über Schweissdrüsen (wie beim Menschen), sondern über die Schleimhäute des oberen Atmungstraktes. Aufgrund der stark verkürzten Nase, fehlt es an Schleimhaut zur Temperaturregulation. Brachyzephale Hunde müssen daher durch fast permanentes Hecheln die Temperatur regulieren. Bei warmem Wetter (im Sommer) kann dies durch Hecheln z.T. nicht genügend kompensiert werden und es kommt zur Überhitzung bis hin zum Kollaps oder plötzlichen Tod des Tieres.

Therapie

Die Therapie der Keratitis pigmentosa (v.a. beim Mops) ist je nach Ausprägungsgrad schwierig. Einerseits ist eine Korrektur der Lidstellung (durch Lidplastiken oder Entfernung der Nasenfalte) erforderlich, andererseits ist eine lebenslange Behandlung mit entzündungshemmenden und immunmodulierenden lokalen Medikamenten notwendig. In schweren Fällen kann die Keratitis pigmentosa dennoch fortschreiten und zur Erblindung führen.

Zuchtempfehlung

Die  typischen Anzeichen eines Brachyzephalensyndroms werden seitens der Züchter als rassetypisch bezeichnet. Leider hat dies in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass immer mehr der brachyzephalen Hunde vom Brachyzephalensyndrom betroffen sind und die Zahl der Hunde, die medikamentös, aber oft zugleich chirurgisch behandelt werden müssen, hat dadurch drastisch zugenommen.

Die Empfehlung aus tierärztlicher und medizinischer Sicht ist daher, durch Einkreuzen von Hunderassen mit längerer Nase, dem Mops (und anderen betroffenen Rassen) wieder die ursprüngliche Kopfform vor 100 Jahren zu geben.